Der Hauswurz

Der Name Hauswurz (Sempervivum) hört sich leider nicht so attraktiv an, der Hauswurz ist aber keinesfalls so hässlich wie sein Name. Er ist eine wunderschöne Sukkulentenart, welche auch liebevoll Steinrose genannt wird. Als Sukkulente ist er sehr pflegeleicht und erträgt Hitze, Trockenheit und Kälte problemlos und behält auch im Winter seine schönen Blätter. 

Die kleine Pflanze überlebt an den unliebsamsten Orten und ist sogar zäher als Unkraut. Ihr lateinischer Name Sempervivum – immer lebend – könnte also nicht passender sein. 

Neben dem schönen Aussehen soll die Hauswurz magische Kräfte haben und als Heilpflanze dienen. Im Mittelalter dachte man, dass Hauswurze ein Haus vor Blitzeinschlägen schützen. Karl der Große soll sogar verordnet haben, dass jeder Bauer auf seinem Dach einen Hauswurz haben müsse. Was auch einen praktischen Nutzen hat, denn die Pflanzen machen Stroh- und Reetdächer haltbarer. Auch als Heilpflanze war der Hauswurz geschätzt: Der Tee aus Dach-Hauswurz soll bei Magengeschwüren und Übelkeit helfen und zur Blutreinigung dienen. Außerdem soll der frische Saft kühlende, schmerzstillende, entzündungshemmende und eine wundheilende Wirkung haben. Aus diesem Grund teile ich hier mein Lieblingsrezept für eine Hauswurz mit dir.

Steckbrief

Größe

ausgewachsen: bis zu 28 cm

Wasserverbrauch:

niedrig

Standort:

direkte Sonne

leicht schattig

Mindesttemperatur:

 – 28°C

Allgemeines

Nach meinem ersten Hauswurz hat mich schnell die Leidenschaft gepackt, denn dieser kleinen und niedlichen Pflanze ging es trotz meines nicht vorhandenen Grünen Daumens prächtig. Dank der Arten- und Sortenvielfalt des Hauswurz folgte auf die erste Pflanze, zwei Wochen später, gleich 3 neue Pflanzen. Heute bin ich bereits stolze Besitzerin von 20 Hauswurz. Mit insgesamt über rund 60 botanisch anerkannte Arten und schätzungsweise weit über 5.000 Sorten, habe ich aber trotz meiner Sammelleidenschaft noch längst nicht alle Sorten und das Beste daran ist- dadurch, dass der Hauswurz immer wieder neue Sorten bildet, werden immer wieder neue Sorten entdeckt. Es gibt also immer wieder Neues zu entdecken und zu sammeln!

Die Hauswurzsorten unterscheiden sich je nach Art und Sorte in Wuchsform, Rosettengröße und Blattfarbe. Ein Hauswurzbeet ist also überhaupt nicht langweilig. Die Rosetten entstehen aufgrund der extrem verkürzten Sprossachse. Sie sind grün bis leuchtend rot und manchmal behaart. Ihre Färbung hängt dabei jedoch nicht nur von der Sorte, sondern auch von der Intensität der Sonneneinstrahlung ab. Der Blütenstängel wächst in der Blütezeit mit seinen roten, rosa, gelben, cremefarbenen oder weißen Blüten aus der Blattrosette heraus. 

Jede Blattrosette, die einmal geblüht hat, stirbt anschließend leider ab – also keine Panik wenn das deinem Hauswurz passiert, das ist völlig normal. Außerdem bilden die Pflanzen Tochterrosetten aus und wachsen dann einfach wieder nach.

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Hauswurze beschränkt sich fast ausschließlich auf die Gebirge Europas und Kleinasiens wie die Pyrenäen, Alpen und Karpaten. Dort wachsen die Pflanzen meist in Felsspalten und leben von ihren eigenen abgestorbenen Pflanzenteilen.

Du kannst deinen Hauswurz natürlich ganz klassisch als Zimmerpflanze halten. Aufgrund ihrer Genügsamkeit, hast du jedoch noch viele andere Möglichkeiten. Mir gefällt besonders gut, dass ich nicht nur meine Zimmer damit dekorieren, sondern auch meinen Garten oder Haus damit aufhübschen kann. So kannst du z.B. Steingärten, Dachflächen, Mauerfugen, Mauerkronen und Steintröge wo sonst keine Pflanze wächst etwas grüner gestalten. Auch Tuff- und Kalksteine können in ihren Höhlungen und Vertiefungen super mit verschiedenen Hauswurz-Arten und Sorten bepflanzt werden. Neben den verschiedenen Hauswurz-Sorten sind gute Pflanzpartner mit ähnlichen Ansprüchen niedrige Arten der Fetthenne (Sedum), die Kuhschelle (Pulsatilla), Hungerblümchen (Draba), Katzenpfötchen (Antennaria), kriechender Thymian (Thymus) und verschiedene Steinbrech-Arten (Saxifraga). 

Ein paar ausgefallene Ideen sind ein begrünter Fensterrahmen oder ein lebendes Sukkulenten Bild. Besonders angetan bin ich von der Do-it-Yourself Sukkulenten Pflanzen Ampel. Dafür habe ich einfach meine lieblings Sukkulenten wie z.B. den Hauswurz in Mini-Gefäße getan. An die Gefäße kommen Jute Seite und diese befestige ich dann mit an einem im Wald gefundenen Holzstück. Du kannst die Gefäße alle in einer Länge am Stock anbringen oder sie auf unterschiedlichen Höhen befestigen. Die Gefäße musst du nicht einmal kaufen, ich habe einfach alte Gläser gesammelt, ausgewaschen und dann dafür benutzt. Als besonderen Hingucker kannst du ein paar Gläser statt mit Pflanzen mit Teelichter befüllen. So hast du nicht nur einen einzigartigen Dekoartikel sondern auch mehr Platz für weitere Sukkulenten. Gerade bei sammelbegeisterten Pflanzenliebhabern wie mir, ist sowieso jeder freie Platz schon von einer Sukkulente belegt. Außerdem kommt diese Selbstgemachte Pflanzenampel sehr gut bei Freunden als Geschenk an.

Wie topfe ich meinen Hauswurz richtig ein?

Da dein Hauswurz sehr unkompliziert und Pflegeleicht ist, musst du auch beim eintopfen nicht allzu viel beachten. Da der Hauswurz wie andere Sukkulentenarten keine Nässe mag verwende ich Pflanzgefäße mit ausreichend Abzuglöchern. Diese befülle ich dann Kies oder Blähton um eine Drainageschicht zu schaffen. Damit verhinderst du, dass dein Hauswurz bei zu viel Wasser nasse Füße bekommt und fault. Wenn du normale Kübelpflanzenerde verwenden möchtest, solltest du diese mit etwa einem Drittel Kies, Lavagrus, Sand oder Splitt mischen. Dünger braucht dein Hauswurz keinen. Damit tust du ihr auch meist nichts gutes, denn bei zu viel Dünger beginnt dein Hauswurz zu faulen. 

Die richtige Pflege des Hauswurz

Dein Hauswurz ist sehr pflegeleicht, du musst ihn nicht oft gießen oder umtopfen. Damit du lange Freude an deinem Hauswurz hast gibt es nur wenige Regeln die du einhalten musst:

  1. Gießen nur in extremen Trockenperioden 
  2. Wenn gegossen wird, dann nicht auf die Rosetten. Nur das Erdreich wird befeuchtet. Denn wenn sich Nässe zwischen den Blättern sammelt beginnt deine Hauswurz an zu faulen. So sind mir leider als Anfänger schon ein paar Sukkulenten eingegangen. 
  3.  Verfaulte oder abgeblühte Rosetten regelmäßig mit einem Messer heraustrennen oder mit einem Ruck abreißen

Stark behaarte Hauswurzen, z.B. Spinnweben-Hauswurz (Sempervivum arachnoideum), werden im Winter mit einer Glasscheibe als Nässeschutz abgedeckt. Wie oben bereits gesagt musst du dein Hauswurz nicht düngen. Nur bei besonders großen Rosetten kann eine gelegentliche bzw. schwache Düngung das Wachstum oder die Blattfarbe verbessern. Als Anfänger solltest du aber Sicherheitshalber lieber auf Dünger verzichten- denn mit zu viel Dünger schadest du der Pflanze mehr als dass du Hilfst.

Dadurch, dass Hauswurze winterhart sind, musst du sie nicht zum überwintern reinbringen oder besonders vor Kälte schützen. Du solltest lediglich darauf achten, dass sie bei viel Regen nicht zu staunässe kommen kann.

Vermehrung

Wusstest du, dass du deinen Hauswurz leicht und schnell vermehren kannst? So machst du aus einer Pflanze zwei oder mehr und das völlig umsonst! 

Mich hat es von Anfang total fasziniert, dass ich alle Hauswurz-Arten einfach über abgetrennte Rosetten leicht vermehren kann. Die abgetrennte Rosette setze ich einfach auf ein durchlässiges, kiesiges Substrat und nach ein paar Wochen habe ich einen zweiten Mini-Hauswurz. Als besonders wirksam hat sich mein selbstgebasteltes Mini-Gewächshaus erwiesen. Dazu habe ich einen Topf mit Glassichtfolie überzogen und die Rosetten darin leicht angegossen. Dieser Topf stelle ich dann ein sonniges Fenster. Dadurch, dass sich die Wärme darin besser speichert, wurzeln die Ableger leichter an. Alle paar Tage solltest du die Glassichtfolie jedoch heben, damit deine Pflanzen sauerstoff bekommen. Wer sich als Hobby-Züchter versuchen will, kann die Pflanzen auch aussäen. Das ist zwar langwierig, aber die Nachkommen zeigen dafür eine große Variabilität – und vielleicht ist ja die eine oder andere tolle neue Sorte dabei.

Krankheiten und Schädlinge

Der Hauswurz ist zum Glück insgesamt sehr robust und an heiß-trockenen Standorten kaum krankheitsanfällig. Auf feuchten, zu humusreichen Böden kann Wurzelfäule auftreten. Das merkst du dann wenn dein Hauswurz einfach in sich zusammenfällt. Wenn das passiert ist, ist es meist leider schon zu spät. Du kannst dann meist nur noch versuchen ein paar gute Blätter zu finden und diese als Ableger großzuziehen. In seltenen Fällen kann es vorkommen, dass dein Hauswurz von Blattläusen oder Dickmaulrüsslern befallen wird. Blattläuse sind kleine grünliche Tierchen, die wohl die meisten von uns kennen. Meist wird der Hauswurz in Winter davon befallen. Zum Glück, wird man die Läuse relativ schnell durch abwaschen mit Wasser los. Wenn ich den Befall früh genug bemerke, sammel ich die Läuse jedoch lieber einfach ab um meinen Hauswurz nicht mit dem Wasser zu schaden. Der Dickmaulrüssler ist da schon wesentlich hartnäckiger, denn leider bemerkt man ihn meist erst wenn es schon zu spät ist. Die Käfer fressen Löcher in die Pflanze und als wenn das nicht schon genug ist schädigen ihre Larven die Wurzeln der Pflanze. Als Vorbeugung um gar nicht erst vom Dickmaulrüssler befallen zu werden, kannst du insektenpräparate wie Nermatoden verwenden. Da ich bisher aber nie Probleme mit dem Dickmaulrüssler hatte, habe ich bisher noch keine Maßnahmen ergriffen.

Der richtige Standort für Hauswurz

Dein Hauswurz ist was der Standort überhaupt nicht wählerisch. Ob sonnig, schattig, halbschattig, warm oder kalt – er wächst fast überall. Nur zu feucht mag er es nicht.

Welche Hauswurz Arten gibt es?

Wie viele Arten oder Sorten des Hauswurz es gibt ist gar nicht so leicht zu beantworten, denn das coole am Hauswurz ist, dass die Sorten sich untereinander immer wieder kreuzen. So gibt es immer wieder neue Hauswurz Sorten zu entdecken.

Ein paar Hauswurz Arten will ich jedoch nennen:

Der Sempervivum arachoideum auch Spinnweben-Hauswurz genannt. Er hat seinen namen der spinnwebenartiger Behaarung über den Rosetten zu verdanken. Er ist durch die Behaarung gegen Winternässe empfindlich.

Der Sempervivum giuseppii ist aus Süd West-Europa und ein Hybrid aus dem Spinnweben Hauswurz und einer Spanischen Art mit kleinen, kugeligen und bewimperten Rosetten-

Der Sempervivum montanum (Berg-Hauswurz) ist eine heimische Art aus Zentraleuropa mit sternförmigen Rosetten. Der Berg-Hauswurz sieht in der Blüte wie eine Blume aus.

Last but not least der Sempervivum tectorum (Dach-Hauswurz, Echte Hauswurz) – Ist die wohl bekannteste und weit verbreitete Art mit offenen, grünen Rosetten.  

Ist der Hauswurz giftig?

Hauswurze sind nicht giftig, weder für dich oder deine Haustiere. Jedoch solltest du sie trotzdem nicht essen: Sie können wie andere auch Dickblattgewächse bei Überdosierung zu Erbrechen, Übelkeit und leichten Vergiftungserscheinungen führen.

Kann man den Hauswurz als Heilmittel verwenden?

Da der Saft des Hauswurzes eine entzündungshemmende Wirkung hat, kann er super als natürliches Heilmittel verwendet werden. Im Mittelalter wurde es Männern sogar empfohlen, die Blätter des Hauswurz zu essen. Damit soll ihre Liebeslust gesteigert werden. Ob an diesem Brauch etwas dran ist kann ich nicht sagen. Ihr solltet es aber auch nicht ausprobieren, denn wie bereits oben gesagt kann es bei Überdosierung des Hauswurz z.B. zu erbrechen kommen – und das Hilft der Liebeslust mit Sicherheit nicht. 

Wer jedoch trotzdem gerne Mal die heilende Wirkung des Hauswurzes testen möchte für den gibt es hier noch ein Rezept für eine Hauswurzsalbe gegen leichte Verbrennungen.

Rezept für deine Hauswurzsalbe gegen Schwellungen, leichte Verbrennungen, Sonnenbrand und Insektenstichen

Da dein Hauswurz nicht nur schön aussieht, sondern sein Saft auch entzündungshemmende Stoffe hat, kannst du den Saft verwenden um deine eigene, natürliche Salbe herzustellen. Die Zutaten kosten weniger als 10 Euro und die Salbe ist total einfach herzustellen. Das beste ist jedoch du hast danach deine eigen hergestellte Naturkosmetik für dich oder zum verschenken.

Zutaten für die Salbe:

20 frische Hauswurzblätter

100 ml Jojobaöl

100 ml Olivenöl

12 g Kakaobutterpellets

8 g Bienenwachspellets

einige Tropfen Lavendelöl oder ein anderes Duftöl

Zubereitung: 

Zunächst musst du die Hauswurz-Blätter ernten, klein schneiden und in dem Jojoba- und Olivenöl 20 Minuten leicht köcheln lassen. Das Öl anschließend durch ein Sieb gießen. Danach das gesiebte Öl erneut erhitzen und Kakaobutter- und Bienenwachspellets darin auflösen. Je mehr Kakaobutter- und Bienenwachspellets du verwendest, desto fester wird die Salbe nach dem Abkühlen. Für einen angenehmen Duft füge ich anschließend einige Tropfen Lavendelöl hinzu. Du kannst je nach Geschmack jedoch auch ein anderes Öl verwenden oder den Duft ganz weglassen. Dunkel und kühl gelagert ist die Salbe sogar einige Monate haltbar.

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